Verboten ist nicht der Eichenmoos als solches, sondern zwei darin enthaltene Moleküle: Atranol und Chloratranol. Sie gehören zu den stärksten Kontaktallergenen in Kosmetika, und die Europäische Union hat sie mit einer Verordnung aus dem Jahr 2017 ausgeschlossen. Hersteller verwenden heute gereinigte Extrakte, die kaum noch einen dieser beiden Stoffe enthalten. Das hat Düfte spürbar verändert.
Eichenmoos ist kein Moos
Es handelt sich um die Flechte Evernia prunastri, die auf der Rinde von Eichen wächst. Sie wird hauptsächlich auf dem Balkan und in Mitteleuropa gesammelt und zu einem Absolue verarbeitet.
Es riecht wie ein Wald nach dem Regen: feuchte Erde, Rinde, trockene Bitterkeit und ein Hauch von Tinte. In der Parfümerie hält es die Basis zusammen und verleiht dem Duft eine Tiefe, die die synthetische Parfümerie lange nicht nachahmen konnte.
Eine ganze Duftfamilie baut darauf auf
Chypre entstand 1917, als François Coty einen Duft auf der Dreierkombination aus Bergamotte, Labdanum und Eichenmoos aufbaute. An diesem Grundgerüst orientierten sich Dutzende Klassiker.
Guerlain Mitsouko, Miss Dior und Aromatics Elixir sind allesamt Chypre-Düfte. Ohne Moos hält diese Struktur nicht zusammen, ihr fehlt die bittere Unterschicht.
Was zwischen 2017 und 2021 geschah
Der wissenschaftliche Ausschuss der Europäischen Kommission stufte Atranol und Chloratranol als besonders starke Allergene ein. Darauf folgte eine Verordnung, die es verbot, Produkte mit diesen Stoffen ab August 2019 in Verkehr zu bringen und ab August 2021 zu verkaufen.
Den Marken standen zwei Möglichkeiten offen. Entweder sie wechselten zu einem gereinigten Extrakt, oder sie ersetzten das Moos vollständig. Die meisten taten beides und schrieben bei dieser Gelegenheit auch den Rest der Rezeptur um.
So erkennt man es am Duft
Neue Chypre-Versionen sind sauberer, heller und weniger bitter. Die schmutzige, erdige Schicht, die den älteren Duft schwer machte, ist verschwunden.
Wer einen Duft aus den neunziger Jahren in Erinnerung hat, sagt meist, dass die neue Version schwächer sei. Tatsächlich ist sie nicht schwächer, ihr fehlt lediglich eine Schicht.
Wodurch das Moos heute ersetzt wird
Durch synthetische Moleküle wie Evernyl oder Veramoss, die nach trockener Rinde und Tinte riechen. Ergänzt werden sie durch Patchouli, Vetiver und weitere erdige Rohstoffe.
Das Ergebnis kommt dem Original nahe, ist aber nicht identisch. Das originale Absolue enthält Dutzende Bestandteile gleichzeitig, während die synthetische Variante einen oder zwei davon ersetzt.
Es geht nicht nur um Moos
Auf ähnliche Weise verschwand Lyral, ein synthetisches Maiglöckchen-Allergen, und 2022 auch Lilial. Einschränkungen gelten ebenfalls für Cumarin, Birkenteer und Nitromoschus.
Die aktuelle Liste der Standards führt die IFRA, der rechtliche Rahmen ist in der EU-Kosmetikverordnung Nr. 1223/2009 auf dem Portal EUR-Lex festgelegt. Diskussionen zu konkreten Reformulierungen findest du auf Basenotes.
Häufig gestellte Fragen
Ist Eichenmoos in der EU verboten?
Nein. Verboten sind Atranol und Chloratranol. Gereinigter Extrakt darf in begrenzter Menge verwendet werden.
Ist eine alte Flasche vom Flohmarkt gefährlich?
Für die meisten Menschen nicht. Das Risiko betrifft Personen mit einer Kontaktallergie. Teste die erste Anwendung auf einer kleinen Hautstelle.
Wie finde ich heraus, ob mein Duft reformuliert wurde?
Vergleiche den Chargencode mit dem Herstellungsjahr und lies die Diskussionen auf Basenotes. Die Änderungen betreffen hauptsächlich Düfte, die älter als fünfzehn Jahre sind.
Gibt es heute noch authentische Chypre-Düfte?
Ja. Nischenmarken bauen sie auf Patchouli und synthetischen Ersatzstoffen auf, und das Ergebnis kommt dem Original oft nahe.